Denklichter

Das Thomasevangelium

0301.04

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aus dem Koptischen von Christoph Greiner

Das Thomasevangelium - nachträglich so genannt - ist die wichtigste theoretische Grundlage der Gnosis, und stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus dem ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und zwar aus den Jahren ab -20 in Richtung +-0. Es ist eine Sammlung von Aussprüchen des Lehrers Jeschua, die von dessen ehemaligem Schüler und nunmehrigen Nachfolger Judas, genannt der Zwilling (aramäisch: Thomas) erstellt wurde, um sie seinen eigenen Schülern und reisenden Emissären an die Hand geben zu können. …

 

Solche "Enchiridia" waren in den philosophischen Schulen der Antike gang und gäbe, prominentes Beispiel ist die platonische Sammlung von Sokratesaussprüchen; viele griechische Philosophen sind uns nur durch solche Enchiridia bekannt, die an den Akademien im Unterricht benutzt wurden. So Heraklit, Demokrit, aber auch Zenon und die vorsokratische Philosophie. Viele dieser Enchiridia entstanden durch Schülermitschriften. In unserem Falle hat der künftige Lehrer bewußt eine Sammlung erstellt, die von einem inhaltlichen Zusammenhang ausgeht. Beim Thomastext kommt noch jüdisch - talmudische Schule hinzu. Wenn man den Talmud kennt, wird die Parallele unübersehbar. Da Judas Israelit war, ist diese Verfahrensweise für ihn die gewohnte gewesen. Als Jude war ihm die Kenntnis des Talmud selbstverständlich, dessen spätere Schriftform dem zu Jeschuas Zeiten mündlichüberlieferten Material bezeugterweise entspricht - er wurde in der Synagoge gelehrt und diskutiert. Synagogen gab es seit dem Ende des zweiten Exils in jeder jüdischen Ansiedlung. Man benutzte sie nicht nur als Bethäuser, sondern auch als Versammlungsraum und Bibliothek, außerdem waren sie Gemeindearchiv. So war es selbst einem mittellosen Juden möglich, Kenntnisse in den heiligen Schriften und ihren Kommentaren zu erwerben. Nebenbei - in Judäa herrschte seit dem Ende des persischen Exils Schulpflicht für jedes männliche Kind. Frauen waren vom Erlernen der Schrift nicht ausgeschlossen - nur nicht dazu verpflichtet. Ohne Kenntnis der Gebote und Verbote des Judentums war es einem Juden unmöglich, ein seiner Religion und Kultur entsprechendes Leben zu führen. Schon der sabbatliche Aufruf zur Verlesung des Thoraabschnittes erforderte die Fähigkeit des Lesens, sowie die Kenntnis des zu Judas– Zeiten nicht mehr gesprochenen Hebräisch. Damals war Stellvertretung durch den Synagogenvorsteher oder seine Beauftragten bei der Verlesung noch nicht üblich. Die Spruchsammlung läßt an vielen Stellen ihre Herkunft aus der Praxis des Talmud und seiner Diskussion erkennen. Die originale Sprache des Thomastextes ist aramäisch. Dies läßt sich aus der Diktion des Koptischen im vorliegenden Exemplar rückschließen. Es ist um der Bedeutsamkeit des Inhaltes willen schlechter als es sein könnte. Auch die aramäische literarische Gestalt läßt sich nachgehend ermitteln; es handelte sich um die im Orient verbreitete Reimprosa. In derselben Tradition steht, noch siebenhundert Jahre später, der Koran, woran man die überregionale Bedeutung dieses Stils im arabisch - beduinischen Orient erkennen mag. Das ügyptische kennt solche Reimprosa nicht. Aber wir finden sie auch vielen althebräischen Texten. Das Thomasevangelium - bleiben wir der Gewohnheit halber und weil wir nichts anderes haben, bei diesem Namen - liegt in einer koptischen Fassung des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung vor. Vielfache Zitationen dieses Textes durch die frühen Kirchenschriftsteller lassen erkennen, daß auch eine griechische und lateinische Version des Textes existierten. Die Sprache Koptisch, in der wir es nun haben, resultiert nur aus der Fundsituation - es war eine ägyptische Privatbibliothek des fünften Jahrhunderts, in der die Schrift gefunden wurde. Die sprachliche Situation des Fundes weist darauf hin, daß es sich nicht einfach um eine Ãœbersetzung handelt, sondern um eine, deren Wortlaut für so immens wichtig gehalten wurde, daß um der genauen Bedeutungswiedergabe dieses Wortlauts willen die sprachlichen Möglichkeiten des Koptischen eingeschränkt worden sind. Da der Inhalt der Sprüche sich wesentlich von jenen Akzenten unterscheidet, die das Christentum setzt, hat die offizielle Kirche den vorliegenden Text nicht nur geächtet, sondern wehrt sich bis heute gegen die Einsicht der Tatsache, hier das originale Wort dessen zu besitzen, den sie "Zentralfigur ihres Glaubens" nennt. Da die Kirchen die kulturbildende Institution Europas waren und sind, haben sie die Möglichkeit, Erkenntnisse zu unterdrücken und machen davon Gebrauch. Der Thomastext ist aber bereits in vielen Übersetzungen veröffentlicht worden und wird vor allem in der evangelischen Kirche zur neutestamentlichen Arbeit mit herangezogen, da man Aufschlüsse über die außerpaulinische Theologie und Ãœberlieferung erwartet. Diese kommt bekanntlich im offiziellen Christentum mehr als zu kurz. Daneben haben viele esoterische Gemeinschaften diesen Text im Repertoire. Ob deren Motivation immer schlüssig ist, kann dahin gestellt bleiben.

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1 Kommentar

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Gravatar von Täuber, Gabriele

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Am 19. Dezember 2013 um 03:55

Liebe Leser,

das Thomasevangelium, ist für die gesamte Menschheit, das wichtigste Evangelium überhaupt, ich kann es bestätigen, denn durch eine Traumaaufarbeitung und der stetigen Suche nach GOTT hat er sich in “mir” offenbart, dass war das beste was “mir” in “meinem” Leben bisher passiert ist, ich bin dafür zutiefst dankbar, für den “Akt” der Gnade von unseren aller SCHÖPFER. Nur leider sieht es der größte Teil der Menschheit nicht. Dies ist bedauerlich, sie wissen nicht was Ihnen entgeht. Sie suhlen sich lieber in Macht und Geld und es wird Ihnen NICHTS bringen, außer ein jämmerliches Dasein. Niemals mehr würde ich tauschen wollen.

Viele Grüße
Gabriele

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