Denklichter

Die Wahrheit

1912.04

Vor einem Schloss parkte ich mit einem Auto und beobachtete die Schlossbewohner.
Das Schloss wurde von einem alten Mann, dem Schlossherren, einer alten Frau, einer jungen Frau und einem jungen Mann bewohnt.
Ich sah, wie die junge Frau im Schlossgarten allen anderen auf einem Klavier …
… etwas vorspielte und damit versuchte, ein Leiden des Schlossherren zu lindern oder zu überspielen. Eigentlich durfte keiner von dem Leiden des Schlossherren wissen.

Gleichzeitig zu dieser Szene war ich im Schloss und die alte Frau stand vor mir. Ich betrachtete ihr Gesicht, es schien irgendwie angenagt. Ich konnte die Gesichtszüge wie sie ursrpünglich einmal waren deutlich erkennen, jedoch nur wie als Bleistiftvorzeichnung, das eigentliche Gesicht war nur noch Bruchstückhaft zu sehen.
Ich erzählte ihr von meiner Beobachtung und sie erwiderte, ich solle mich umdrehen. Ihr Kommentar zu dem was ich sah war, daß das die eigentliche Natur der Dinge sei.
Vor meinen Augen bewegten sich plötzlich alle Objekte im Raum. Alles schien nur wegen mir da zu sein. Ein alter Ohrensessel machte sich mit mir auf die Reise durch das Zimmer und redete mir dabei freundlich zu. Alles fliesst. Ich fühlte mich plötzlich wieder als Kind.

Der Junge Mann trat aus dem Schloss auf den Parkplatz und schien mich bemerkt zu haben. Ich stellte mich schlafend.

Gleichzeitig stand ich vor einem alten verfallenem Haus, in dem früher mein Bruder mit seiner Frau gewohnt hatte. Ich ging hinein und beobachtete von dort durch ein Fenster den großen Garten des Schlosses in der Nacht.
Mein Atem kondensiert durch das hauchdünnes Fensterglas hinaus in die eiskalte Sternennacht. Ich sah eine Seilbahn, die von einem anderen Scheunengebäude des Schlosses ihre Touren auf einen Berg fuhr.

Plötzlich sah ich die junge Frau aus dem Schloss kommen. Sie trug einen schweren Sack mit 100 Litern Blut des alten Schlossherren mit sich. Wie jede Nacht trug sie diesen Sack zu einem Schuppen im Garten des Schlosses und vergrub ihn.

Der Junge Mann - es stellte sich heraus, daß er der Sohn und der Anwalt des Schlossherren war - er hatte mich in eine Industriehalle getragen. Ich bemerkte auch seinen Vater und erzählte diesem spontan, daß er sich doch etwas vormachen würde und das er in Wahrheit jede Nacht 100 Liter Blut verlieren würde.
Der alte Mann wurde sehr zornig, und meinte das die Wahrheit sehr schmerzhaft wäre. Er nahm ein großes Rohr und schien mich damit schlagen zu wollen, doch traf er seinen Sohn den Anwalt, weil dieser ihn so lange falsch beraten hatte.

(Zur Info: einen Abend zuvor hatte ich von Peter Orban seine Metapher vom Schloss als der Seele gelesen)

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1 Kommentar

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Gravatar von zuckerwattewolkenmond

zuckerwattewolkenmond
Am 19. Dezember 2004 um 16:45

Erinnert mich ein bißchen an die Geschichte von Parzival. grin
LG

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