Denklichter

Solaris

0301.04

cover

von Stanislaw Lem

Solaris, der einzige Roman von Stanislaw Lem, der eine Liebesgeschichte enthält, gehört zu den bekanntesten Sciencefiction-Werken des 20. Jahrhunderts. Das Buch wurde in über 30 Sprachen übersetzt. Es ist der erste Roman des Autors, der die für ihn typische Erörterung erkenntnistheoretischer, anthropologischer oder kosmologischer Fragen mittels des fantastischen Genres konsequent durchführt. Bei Amazon.de kaufen!

 

Inhalt: Der Planet »Solaris« ist fast vollständig von einem »Ozean« umgeben, der so sonderbare Eigenschaften und Hervorbringungen aufweist, dass man ihn als lebendig und wohl auch als intelligent betrachten muss. Seit Jahrzehnten schlagen alle Versuche fehl, mit diesem Wesen Kontakt aufzunehmen. Der auf der Solaris-Station eintreffende Forscher Kris Kelvin findet eine desolate Mannschaft vor. Der Ozean hat begonnen, aus schuldbeladenen Erinnerungsspuren im Unbewussten der anwesenden Menschen die Schuldobjekte zu rekonstruieren und als »Gäste« in die Station zu schleusen. So wird Kelvin mit seiner früheren Geliebten Harey konfrontiert, die sich vor 20 Jahren das Leben nahm, als er sie verlassen wollte. Kelvin verliebt sich in dieses Kunstgebilde »Harey«. Nachdem Kelvins Kollegen an Bord, Snaut und Sartorius, den Ozean mit harten Röntgenstrahlen bombardieren, die von einem Enzephalogramm Kelvins moduliert wurden, hört die Produktion der »Gäste« auf. Zur gleichen Zeit lässt sich »Harey« durch Antimaterie annihilieren. Der Unmöglichkeit einer Liebe zwischen Kelvin und Harey korrespondiert die Unmöglichkeit der Kommunikation mit dem Ozean. Aufbau: In den chronologischen Ereignisablauf baut der Autor als zweite Ebene die Geschichte der »Solaristik«, der Wissenschaft vom Planeten Solaris ein. Dies geschieht in der Form von Reflexionen des Protagonisten Kelvin bei Besuchen der Bibliothek in der Raumstation. Diese fiktiven Buchparaphrasen, die ein häufiges Stilmittel des Autors (»Metaliteratur«) darstellen, sind mit ihren leeren Klassifizierungen, ihrem Erzeugen von Schulen und Außenseitern auch als Ironisierung der Wissenschaft zu lesen. Wirkung: Der sowjetische Regisseur Andrei Tarkowski verfilmte das Werk 1971 und gewann 1972 beim Filmfestival in Cannes den Spezialpreis der Jury. Eine zweite Verfilmung durch Steven Soderbergh wird im Jahr 2002 vorbereitet. Die im Buch durchgeführte Methode der Verknüpfung »seriöser« Fragestellungen mit dem sonst meist trivialen Thema der interstellaren Raumfahrt hat im Genre nur zögerlich Nachahmer gefunden. Literaturtheoretische Interpretationen von Solaris reichen von ihrer Lektüre als antistalinistische Kritik an Eingriffen in selbst organisierende Systeme bis zur Interpretation des Ozeans als Chiffre für die in Lems Werk verdrängte weibliche Sexualität. R.H. Kurzbeschreibung Der Planet >>Solaris<< ist fast vollständig von einem >>Ozean<< umgeben, der so sonderbare Eigenschaften und Hervorbringungen aufweist, dass man ihn als lebendig und wohl auch als intelligent betrachten muss. Seit Jahrzehnten schlagen alle Versuche fehl, mit diesem Wesen Kontakt aufzunehmen. Der auf der Solaris-Station eintreffende Forscher Kris Kelvin findet eine desolate Mannschaft vor. Der Ozean hat begonnen, aus schuldbeladenen Erinnerungsspuren im Unbewussten der anwesenden Menschen die Schuldobjekte zu rekonstruieren und als >>Gäste<< in die Station zu schleusen. So wird Kelvin mit seiner früheren Geliebten Harey konfrontiert, die sich vor 20 Jahren das Leben nahm, als er sie verlassen wollte. Kelvin verliebt sich in dieses Kunstgebilde >>Harey<<. Nachdem Kelvins Kollegen an Bord, Snaut und Sartorius, den Ozean mit harten Röntgenstrahlen bombardieren, die von einem Enzephalogramm Kelvins moduliert wurden, hört die Produktion der >>Gäste<< auf. Zur gleichen Zeit lässt sich >>Harey<< durch Antimaterie annihilieren. Der Unmöglichkeit einer Liebe zwischen Kelvin und Harey korrespondiert die Unmöglichkeit der Kommunikation mit dem Ozean. Der Verlag über das Buch Leserstimme bei dtv.de: Christof Knodel: In seinem spannendsten Roman beweist Lem, dass Science-fiction mehr sein kann als zu beschreiben, wie staehlern glaenzende Raumschiffe in Einzelteile oder schleimige Tentakelmonster in eine amorphe Masse zerschossen werden. Eine Forschergruppe beobachtet den Planeten Solaris und seinen einzigen Bewohner, einen den gesamten Planeten umgebenden Plasmaozean. Nachdem bisher alle Versuche der Menschen, die Kommunikaton aufzunehmen, gescheitert sind, tritt der Ozean auf den Plan und erforscht seinerseit die Beobachter. Dazu schickt er ihnen kuenstliche Figuren aus ihren eigenen, zum Teil verdraengten, Erinnerungen und Traeumen. So begegnet der Erzaehler Kris seiner ehemaligen geliebten, die sich vor Jahren aus Einsamkeit umgebracht hat. Und auch die anderen Bewohner der Station werden unangenehm mit ihrer Vergangenheit konfrontiert… — Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels. Autorenporträt Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag) Lem, Stanislaw poln. Schriftsteller * 12.9.1921 Lwów (Lemberg) Solaris, 1961 Das Werk von Stanislaw Lem erschließt Themen und Formen des Sciencefiction-Genres der Sphäre der seriösen Literatur und Literaturkritik. Lem benutzt seine Romane sowie Erzählungszyklen und seine essayistischen Publikationen als Versuchsanordnungen zur spe- kulativen Erörterung philosophischer Fragestellungen. Seine Werke wurden in 36 Sprachen übersetzt und erreichen eine Gesamtauflage von 27 Mio Exemplaren. Lem wuchs als Sohn eines Arztes in der multikulturellen Welt Ostgaliziens auf. Als Jugendlicher erfuhr er zunächst die sowjetische, dann die deutsche Besatzung und schließlich den Bevölkerungstransfer ins neue Polen, wo er sich in Krakau niederließ. Hier setzte er sein Medizinstudium fort und arbeitete gleichzeitig am Seminar für Wissenschaftslehre der Universität. Seine ersten Veröffentlichungen waren geprägt von den Produktionsbedingungen unter der stalinistischen Zensur. Das "fantastische" Genre erwies sich ihm als ein Ort relativer Freiheit des gedanklichen Experiments. Lem ist Anhänger des kritischen Rationalismus von Karl Popper (1902-94): Er formuliert keine Utopien, sondern übt im Gewand fremder Welten Kritik am Utopismus. Sein Werk kreist um Fragen wie das Problem der Kontaktaufnahme mit fremden Zivilisationen, Grenzen menschlicher Erkenntnis oder den Anthropozentrismus, den er mit spitzer Feder geißelt. 1991 erhielt Lem den österreichischen Kafka-Preis. Biografie: S. Lem/S. Beres, Lem über Lem. Gespräche, 1986

 

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